
Airbus A318 – noch einmal mit dem seltenen „Babybus“ von Air France fliegen
Der Airbus A318 ist der kleinste Vertreter der A320-Familie und wird aufgrund seiner ungewöhnlich kurzen und etwas gedrungenen Form gerne auch als „Babybus“ bezeichnet. Besonders erfolgreich war der kleine Airbus allerdings nie: Lediglich 80 Exemplare wurden gebaut. Damit ist er mit großem Abstand die seltenste Variante der klassischen A320-Familie.
Inzwischen ist der A318 im normalen Linienverkehr sogar zu einer echten Rarität geworden. Nur noch vier Exemplare fliegen im regulären Passagierverkehr – alle bei Air France. Andere A318 existieren zwar weiterhin, werden aber beispielsweise als Business- und Regierungsflugzeuge eingesetzt.
Auch bei Air France sind die Tage des Babybus gezählt. Ursprünglich sollte bereits im November 2026 Schluss sein, inzwischen wurde der Einsatz jedoch noch einmal verlängert. Nach aktuellem Flugplan sollen die letzten A318 bis zum 27. März 2027 eingesetzt werden. Danach übernimmt endgültig der deutlich modernere und effizientere Airbus A220-300 ihre Aufgaben.
Für mich war das Grund genug, noch einmal mit diesem seltenen Flugzeugtyp zu fliegen.
Der kleinste Airbus der A320-Familie
Mit einer Länge von nur 31,44 Metern ist der A318 sogar kürzer als seine ohnehin schon kompakte Spannweite von 34,10 Metern. Genau dieses ungewöhnliche Verhältnis sorgt für sein charakteristisches Erscheinungsbild.
Ein weiteres auffälliges Merkmal ist das Leitwerk. Mit einer Gesamthöhe von rund 12,6 Metern ist der A318 tatsächlich höher als seine größeren Geschwister der klassischen A320-Familie. Das vergrößerte Seitenleitwerk war notwendig, um trotz des deutlich kürzeren Rumpfes eine ausreichende Richtungsstabilität zu gewährleisten.
Technisch ist die Verwandtschaft mit der übrigen A320-Familie ansonsten unverkennbar. Der A318 verfügt ebenfalls über Fly-by-Wire-Steuerung und das typische A320-Cockpit. Je nach Variante kamen zwei CFM56- oder Pratt-&-Whitney-PW6000-Triebwerke zum Einsatz.
Ein paar technische Daten des Airbus A318 im Überblick:
Länge: 31,44 m
Spannweite: 34,10 m
Höhe: ca. 12,6 m
Kabinenbreite: 3,70 m
Reisegeschwindigkeit: Mach 0,78
Maximale Startmasse: bis zu 68 Tonnen
Reiseflughöhe: rund 11.900 m
Maximale Reichweite: je nach Version und Konfiguration rund 5.750 km
Gebaut: 80 Exemplare
Air France hat seine verbliebenen A318 mit 131 Sitzplätzen in 24 Reihen ausgestattet. Die Business Class unterscheidet sich dabei nicht grundsätzlich durch andere Sitze. Wie auf europäischen Kurzstrecken üblich, wird der mittlere Sitz freigehalten und die Größe der Business-Class-Kabine je nach Bedarf angepasst.
Warum war der Airbus A318 so erfolglos?
Eigentlich klang die Idee sinnvoll. Airbus wollte mit dem A318 eine kleinere Variante seiner erfolgreichen A320-Familie anbieten und damit den Markt für Flugzeuge mit ungefähr 100 bis 130 Passagieren bedienen.
Das Problem war vor allem die Wirtschaftlichkeit. Ein kürzerer Rumpf bedeutet zwar weniger Sitzplätze, viele andere Komponenten des Flugzeugs werden dadurch aber nicht entsprechend kleiner oder leichter. Cockpit, Tragflächen und zahlreiche Systeme sind eng mit den größeren Varianten der A320-Familie verwandt.
Dadurch waren die Kosten pro Sitz vergleichsweise hoch. Gleichzeitig bekam der A318 Konkurrenz durch Regionaljets, während Fluggesellschaften innerhalb der A320-Familie häufig lieber zum größeren A319 oder A320 griffen.
So blieb es am Ende bei gerade einmal 80 gebauten Maschinen.
Eine interessante Besonderheit gab es dennoch: Eine spezielle Version des A318 erhielt die Zulassung für den besonders steilen Anflug auf den London City Airport. British Airways setzte entsprechend ausgerüstete A318 sogar auf der ungewöhnlichen Verbindung London City–New York ein.
Mein A318-Trip mit Air France
Ich wollte die Gelegenheit nutzen, noch einmal mit dem A318 zu fliegen, solange dies im normalen Linienverkehr überhaupt noch möglich ist.
Die passende Verbindung war schnell gefunden: Amsterdam – Paris – Amsterdam mit Air France. Damit konnte ich den A318 gleich zweimal erleben.
Der Flugzeugtyp war sogar der eigentliche Grund für unseren kurzen Ausflug nach Frankreich. Was wir während unserer 24 Stunden in Paris erlebt haben, gibt es deshalb in einem eigenen Reisebericht: Mehr dazu hier.
Beide Flüge verliefen ausgesprochen angenehm. Wir starteten jeweils überpünktlich und auch während der rund 50 Minuten Flugzeit gab es keinerlei Besonderheiten.
Trotz der kurzen Strecke bot Air France sogar einen kleinen Snack an. Zur Auswahl standen Cracker oder ein Keks, dazu gab es eine freie Auswahl an Getränken. Auch die Crews waren auf beiden Flügen freundlich und der Service ging schnell.
Wie bequem ist der A318 von Air France?
Auf dem Hinflug saß ich auf 21A, auf dem Rückflug auf 23F und damit beide Male ziemlich weit hinten in der Kabine.
Der Sitzabstand liegt je nach Reihe ungefähr zwischen 74 und 76 Zentimetern. Auf meinen Plätzen waren es gefühlt eher die 74 Zentimeter. Für einen Flug von gerade einmal 50 Minuten war das völlig in Ordnung. Auf einer längeren Strecke würde ich mir allerdings etwas mehr Beinfreiheit wünschen.
Trotz des Alters der Maschinen machte die Kabine einen durchaus ordentlichen Eindruck. Natürlich merkt man an einigen Stellen, dass man nicht in einem neuen Flugzeug sitzt, aber die Sitze waren in einem guten Zustand.
Überraschend modern war dagegen die technische Ausstattung. Es gab USB-Anschlüsse zum Laden und während des Fluges stand kostenloses Text-WLAN zur Verfügung. Gerade bei einem Flugzeugtyp, dessen letzte Exemplare inzwischen rund 20 Jahre alt sind, hätte ich damit nicht unbedingt gerechnet.
Und ansonsten?
Im Inneren merkt man erstaunlich wenig davon, dass man in einem der seltensten Airbus-Passagierflugzeuge sitzt. Die Kabine entspricht in ihrer Breite der übrigen A320-Familie und fühlt sich entsprechend vertraut an.
Erst beim Blick von außen erkennt man sofort, was den A318 so besonders macht: der extrem kurze Rumpf in Kombination mit den normalen Tragflächen und dem auffällig hohen Leitwerk.
Fazit – noch einmal mit dem Babybus unterwegs
Natürlich war der Flug selbst letztendlich ein ganz normaler europäischer Kurzstreckenflug. Gerade das machte die beiden Flüge für mich aber interessant.
Ein Flugzeugtyp, der einst als kleinster Vertreter einer der erfolgreichsten Flugzeugfamilien überhaupt entwickelt wurde, verschwindet nach nur 80 gebauten Exemplaren langsam aus dem Linienverkehr.
Mit gerade einmal vier verbliebenen Maschinen bei Air France werden die Möglichkeiten, den A318 noch im regulären Passagierbetrieb zu erleben, inzwischen überschaubar.
Umso schöner war es, ihn auf der Strecke Amsterdam–Paris und zurück gleich zweimal erleben zu können.
Zwei kurze, ruhige und angenehme Flüge – und für mich noch einmal die Gelegenheit, einen ganz besonderen Flugzeugtyp abzuhaken.














